Liebe auf Distanzvon Steffi (31)
Wie jeden Tag loggte ich mich in mein wkw-Profil ein, um meine neuen Nachrichten abzurufen, Gästebucheinträge zu lesen und zu schreiben. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein sehr auffälliges Profil hatte und demnach auch viele Nachrichten von anderen wkwLern erhalten habe. Jedes Mal musste ich mich also durch all die neuen Nachrichten wuseln, sodass ich die Nachricht von Michael erst gar nicht bemerkte und demnach auch nicht reagierte. Irgendwann, nach mehreren Nachrichten von ihm, worin stand, dass ich doch wenigstens einmal zurückschreiben solle, wurde ich auf ihn aufmerksam. Wir haben erstmal eine Woche lang über verschiedene Themen geschrieben, vor allem über unsere Kinder. Da wir uns gut verstanden, beschlossen wir zu telefonieren. Noch in dieser Nacht klingelte ich bei ihm durch, aber er ging erst nach ein paar Freizeichen ans Telefon. Später gab er zu, dass er überrascht über meinen Anruf war und er eigentlich sehr schüchtern sei.
Das Telefonat ist so abgelaufen, wie man sich ein erstes Telefonat vorstellt: Wir wollten alles voneinander wissen und haben uns 2 Stunden lang und sehr gut unterhalten. Schon in diesem Telefonat war ich von seiner Stimme und seiner Art zu reden fasziniert. Als wir aufgelegten hatten, schrieb er mir in einer wkw-Nachricht, dass er meine Stimme "süß" fand. Er hat es mir gleich danach geschrieben, weil er zu schüchtern war, es mir am Telefon zu sagen. Von diesem Tag an haben wir jeden Abend miteinander telefoniert - und das 2 Monate lang. In dieser Zeit haben wir uns schon durch die Telefonate ineinander verliebt. Die Gespräche und auch die Gemeinsamkeiten haben einfach so gut gepasst und wir merkten schnell, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Dadurch kamen wir auch auf die Idee, uns zu treffen, um zu sehen, ob wir uns in der Realität und außerhalb des Internets auch so gut verstehen. Ich wollte ihn besuchen, woran er allerdings nicht geglaubt hat, weil die Entfernung von 550 Kilometer doch sehr groß ist. Meine größte Angst bestand darin, dass wir uns vielleicht nichts zu sagen hätten, weil es am Telefon etwas anderes ist als in der Realität. Monatelang habe ich mir vorgestellt, wie er mich wohl findet und ob ich auch sein Typ wäre.
Dann war es soweit: Wir sind uns auf dem Bahnhof entgegen gelaufen und er nahm mich sofort in den Arm. Vor lauter Schüchternheit habe ich nur auf den Boden geschaut und gar nicht in seine wunderschönen blauen Augen, die ich mittlerweile so liebe. Wir sind zu ihm gefahren, er zeigte mir sein Haus und wir tranken zusammen Kaffee. Im Laufe des Gesprächs kam die Lockerheit und auch das vertraute Gefühl zurück, das wir schon am Telefon bemerkt hatten. Er hat mir gebeichtet, dass es bei ihm schon am Bahnhof gefunkt hat und auf dem Sofa sind wir uns dann näher gekommen. Ohne es wirklich zu bemerken, sind wir immer näher gerutscht und irgendwann haben wir uns geküsst. In diesem Moment machte es bei mir Klick und ich hatte mich unsterblich verliebt...
Ich blieb das Wochenende über bei Michael und wir haben viel unternommen. Beim Abschied am Bahnhof und im Zug habe ich weinen müssen, weil ich wusste, dass wir uns erst einmal nicht mehr sehen würden. Er fühlte genauso. Ab diesem Zeitpunkt haben wir ständig miteinander telefoniert und zu Weihnnachten hat er mir etwas geschickt: Es war ein silbernes Armbändchen mit den Worten "In Love Forever". Mittlerweile besuchen wir uns oft und die Entfernung ist kein großes Problem. Ich spiele aber mit dem Gedanken nächstes Jahr zu ihm zu ziehen. Unsere Kinder verstehen sich gut und wir beide wissen tief in unseren Herzen, dass wir füreinander bestimmt sind. Er und ich haben bisher noch nie so für jemand anderen gefühlt, wie wir es füreinander tun und ich weiß, dass er der Richtige ist. Wir freuen uns auf unsere gemeinsame Zukunft und wollen uns hiermit bei wkw bedanken, dass wir uns kennenlernen durften, denn daran habe ich nie geglaubt. Wenn es wkw nicht gegeben hätte, wären wir uns nie begegnet und hätten in unserem Leben wahrscheinlich noch immer nach der großen Liebe gesucht.
