Gruppe: Steffi´s tierischer Treffpunkt
Wie konntest du nur ?Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit
meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest
mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter
Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen
wurde
ich Dein bester Freund. Immer, wenn ich böse war,
erhobst Du Deinen Zeigefinger und fragtest mich
"Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du
nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den
Bauch
zu kraulen.
Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen
länger als erwartet, denn Du warst furchtbar
beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den
Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich
mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine
Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte,
das Leben könnte schöner nicht sein. Gemeinsam machten
wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem
Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel,
denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde",
sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne,
während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.
Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und
Deiner Karriere zu verbringen und auch damit, Dir
einen
menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig
auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und
Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen
schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor
Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.
Sie, jetzt Deine Frau, ist kein
"Hundemensch"
- trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen,
versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte
ihr. Ich war glücklich weil Du glücklich warst.
Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine
Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa
Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso
bemuttern.
Nur, dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte
ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit
verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte.
Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich
wurde
zu einem "Gefangenen der Liebe".
Als sie aber größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie
krallten sich in meinem
Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen
Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen,
inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die
Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung
denn
Deine Berührung war jetzt so selten geworden.Und ich
hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig
gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte
ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten
wir
auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt.
Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob
Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der
Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In
den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja"
geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich
von "Deinem Hund" in "nur einen
Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde
Dir ein Dorn im Auge.
Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer
anderen Stadt und Du und sie werdet in eine Wohnung
ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast
die richtige Wahl für "Deine" Familie
getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich
Deine einzige Familie.
Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am
Tierheim
ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst,
nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus
und sagtest "Ich weiß, Sie werden ein gutes
Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken
warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen,
was einen Hund oder eine Katze in
"mittleren"
Jahren erwartet, auch mit "Stammbaum". Du
musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband
lösen, als er schrie "Nein, Papa! Sie dürfen mir
meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir
Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade
beigebracht hattest:
Über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und
Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben.
Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine
Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die
Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten,
und nun habe ich auch einen.
Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen,
Du hättest
wahrscheinlich schon seit Monaten von dem
bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen,
um
ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten
den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?".
Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es
eben
geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe
meinen Appetit schon vor Tagen verloren.
Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand
an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du -
dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies
nur ein schlimmer Traum gewesen sei ...oder ich
hoffte,
dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir
hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich
nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte
Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen,
ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich
mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.
Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam,
um mich zu holen und trottete hinter ihr her den Gang
entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm
ruhiger
Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine
Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein
Herz
pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde,
aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den
Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen.
Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt.
Ihre Aufgabe lastet
schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich
jede Deiner Stimmungen
erfühlen konnte. Behutsam legte sie den Stauschlauch
an
meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre
Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten,
genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet
hatte.
Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene
ein. Als ich den
Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit
durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und
legte
mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte
"Wie konntest Du nur?".
Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte
deshalb "Es tut mir ja so Leid". Sie umarmte
mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre
Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald einem besseren
Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch
ausgesetzt werden könnte oder auf mich allein gestellt
wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen
anders als dieser irdische Ort.
Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit
einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben,
dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr
gegolten hatte. Du warst es, mein geliebtes Herrchen,
an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken
und auf Dich warten.
Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität
zeigen.
Das ist leider viel zu oft Realität.
Genau aus diesem Grund habe ich ganz oft Hunde hier bei mir zur Betreuung. Ich hoffe damit ganz vielen Tieren so ein Schicksal ersparen zu können.
Liebe Grüße
Steffi
PS: Würde mich übrigens " tierisch" darüber freuen, wenn Ihr vielleicht auch noch ein paar schöne Sprüche oder Gedichte auf Lager hättet und sie dann hier reinstellen würdet.
Wär echt ne prima Sache!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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